"Beluga" Tauchschule Lutz Ahlborn
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Wracktauchen in der Ukaine vom 07.06-16.06.2019


Reisebericht

 

Anfang Februar 2019 kam aus Österreich vom Attersee von unserem Freund Alois Männer  die Anfrage, ob Interesse bestehen würde  an einer Wracktauch-Expedition in der Ukraine – ausgehend von der Hafenstadt Odessa – Dauer ca. 7 Tage auf einem Forschungsschiff.
Nach sehr kurzfristiger Überlegung stand für drei  Taucher des „Dive-Team-Nord“ fest, dass eine Wrack-Expedition im Schwarzen Meer keinesfalls im taucherischen Lebenslauf fehlen dürfe!
Als Infos hatten wir bis dahin lediglich ein Bild des Forschungsschiffes – der „Auguste Piccard“ und einen groben Ablauf, an welchem Tag welche Wracks angelaufen werden sollten.
Bei der Planung der Anreise stellte sich heraus, dass alleine die An- und Abreise jeweils ca. eineinhalb Tage andauern würden, da wir gemeinsam anderen Tauchern aus Österreich zusammen ab Wien fliegen wollten und wir eine Fluglinie finden mussten, bei dem die Mitnahme von ca. 40kg Tauchgepäck möglich war.
Im Vorfeld fanden mehrere Treffen statt, bei welchen die Ausrüstung zusammengestellt wurde welche für ein solches Vorhaben benötigt werden würde – von Backup-Anzügen bis hin zu Ersatzlampen, Foto- und Videoausrüstung  sowie jeder Menge an Ersatzteilen für Atemregler, etc..
Auch praktisch gab es einiges an Vorbereitungen – sei es die Überprüfung der kompletten Einsatz- und Backup-Ausrüstung über wie unter Wasser, wie auch Übung von etwaigen „Notfallszenarien“. 
Nach viel Planung, Rückfragen und Kommunikation zwischen Deutschland, Österreich und der Ukraine ging es dann am 07-06-2019 los – mit der Bahn von Kreiensen nach Göttingen und von dort aus über Nürnberg nach Wien, wo wir mit dem Rest der Truppe zusammentrafen um dann  am 08-06-2019 von Wien aus über Kiev nach Odessa zu fliegen. In Odessa angekommen empfing uns der Ukrainer Bogdan – Taucher und Crew-Mitglied der „Auguste Piccard“ und kümmerte sich um den Transfer vom Flughafen Odessa zum Hafen in Odessa und zu unserem Schiff. Nach einem herzlichen Willkommen auf der „Auguste Piccard“ wurden die  vorhandenen Kajüten auf die Taucher verteilt und es hieß wenig später „Leinen los“.
Mit traumhaftem Wetter und bei Temperaturen um die 30°C lief das Schiff Richtung Süd-Osten aus.
Der an diesem Nachmittag geplante „Check-Dive“ musste auf Grund eines aufkommenden Gewitters und starkem Seegang am Nachmittag und Abend auf den nächsten Tag verschoben werden - so nutzen wir die Zeit den Rest der Crew kennen zu lernen was für alle Beteiligten sehr interessant war, da von uns niemand der russischen Sprache mächtig war und nur Bogdan, welcher für die Tauchgangsplanung aus ukrainischer Sicht verantwortlich war deutsch verstehen und sprechen konnte. So war es auch im Verlauf der gesamten Reise teilweise spannend, wie man sich doch miteinander verständigen kann, selbst wenn keiner die Sprache des anderen spricht und auch teilweise Englisch nicht weiter hilft.
Zum Schiff selber - die „Auguste Piccard“, normalerweise als reines Forschungsschiff genutzt und dementsprechend auch technisch ausgestattet, ist ein Schiff, mit dem der ukrainische Unterwasserforscher Flad und sein Team die Wracks aufgespürt hatten, welche wir im Laufe unserer Reise Betauchen wollten.  Aufgeteilt in Sonnendeck, Oberdeck, Brücke, Kajüten mit WC und Dusche, Maschinenraum und „Multifunktionsraum“ – in welchem sich auch eine „Ein – Mann – Druckkammer“ und eine kleine Art Werkstatt befindet, hat das Schiff alles, was es für eine mehrtägige Ausfahrt benötigt. Der einzige Raum unter Deck  – die „Messe“, ausgestattet mit moderner Informationstechnologie diente nicht nur als Speiseraum, sondern generell als Aufenthaltsraum und Ort für die alle Tauchgangsbesprechungen „Briefings“ und Tauchgangsplanungen , welche vor jedem Tauchgang stattfanden. Diese Briefings waren stets sensationell aufgearbeitet, so dass wir immer genau wussten was für eine Art Wrack betaucht wird, welche Art Schiff und die komplette Historie jeweils dazu. Sonaraufnahmen sowie Fotodokumentationen bereiteten uns zudem auf die Tauchgänge vor, damit wir schon vorab einen groben Eindruck von dem hatten, was uns unter Wasser erwarten würde.
Nach einer mehr oder weniger ruhigen ersten  Nacht an Bord konnte dann am Morgen des 09-06-2019 der „Check-Dive“ am Wrack der Nikolay erfolgen – einem nicht identifiziertem Militärschiff aus dem 2. WK welches seine Namen dem Taucher verdankt, der es als erstes nach dem Auffinden Betaucht hatte.
Da es sich bei diesem ersten Tauchgang um einen „Check-Dive“ einzig und allein für Taucher und Tauchausrüstung handelte wurde auf die Mitnahme von Foto- und Videoausrüstung verzichtet.
Schon bei diesem ersten Tauchgang bekamen wir einen guten Eindruck von den Sichtverhältnissen, welche uns anscheinend die Woche über begleiten werden würden – Sichtweiten zwischen 1 – 5 Metern am Wrack und einen Abstieg im „Blindflug“ über die ersten 10 – 12 Meter.
Dies tat der guten Stimmung aber keinen Abbruch – keiner von uns hatte mit „karibischen Sichtverhältnissen“ gerechnet.
Gegen Mittag gingen wir dann beim Wrack „Angara“ vor Anker – einem deutschen Arbeitsschiff (Schute), welche 1943 von einem russischen Torpedo versenkt wurde. Sichtweiten von bis zu 5 Metern sowie leichte Strömung prägten diesen Tauchgang und schon hier wurde uns gewiss, dass der fotografische Fokus bei den Tauchgängen mehr auf einzelnen Teilbereichen der Wracks und Detailaufnahmen liegen würde – an weitläufige Komplettansichten von den Wracks war hier und gewiss auch für den Rest nicht zu denken.
Darauf folgte im weiteren Verlauf des Tages ein Wracktauchgang an der „Theodorick“ – einem von den Sowjets gebautem Transportschiff, welches im 2. WK von den Deutschen annektiert wurde und dann im Laufe des Krieges 1943 von einem russischen U-Boot versenkt wurde. Trotz der Tatsache, dass dieses Wrack bereits von ukrainischen Kampfmittelräumern „gereinigt“ wurde, fanden wir unter dem Oberdeck noch eine Kiste mit 20mm Flugabwehr Munition aus dem 2. WK.
Nach diesem Tauchgang war dann auch der erste Schaden an einer unserer  Tauchausrüstungen zu beklagen – eine Tanklampe war aus ungeklärter Ursache mit Salzwasser vollgelaufen und somit für den Rest der Reise nicht mehr einsatzfähig. Getreu unserem Motto „Haben ist besser als Brauchen“ wurde die „abgesoffene“ Tanklampe zerlegt, das Innenleben bestmöglich vom Salzwasser befreit,  dann in der Kajüte verstaut und die „Backuplampe“ sollte für den Rest der Reise treue Dienste leisten.
Gegen Abend dieses Tages schlug das Wetter um und nicht zur Freude aller Beteiligten nahm der Seegang deutlich zu, was allerdings allen Tauchern auf dem Boot eine sehr unruhige Nacht bescherte – sei es auf dem Oberdeck, gepaart mit den starken Bewegungen des Schiffes – wie auch den Kameraden, welche ihre Kajüten im Bug des Stahl-Katamaran hatten, wo die Wellen mit ohrenbetäubendem Lärm sich bemerkbar machten.
Am nächsten Morgen stand bei nicht ganz optimalen Witterungsbedingungen ein Tauchgang an der „Salzburg“ an – einem deutschen Gefangenentransporter, welcher Ende 1942 durch ein russisches U-Boot versenkt wurde, da man seitens der Russen nicht wollte, dass die Gefangenen in Kriegsgefangenschaft mit ihrer Arbeitskraft das „Deutsche Reich“ stärken würden.
Hierbei kamen weit über 2000 Menschen ums Leben – letztendlich ein Verbrechen am eigenen Volk.
Der Tauchgang an sich war bei starkem Wellengang und Sichtweiten von unter 3 Metern eine Herausforderung, welche nur von 4 Tauchern angenommen wurde.

Am Nachmittag des 10-06-2019 Stand ein Tauchgang an der „Dürenstein“ – einem deutschen Raddampfer an, welcher im August 1941 von einem russischen U-Boot versenkt wurde. Es kam zu einem Freiwasser-Aufstieg aus 25 Metern Tiefe im offenen Meer bei Sichtverhältnissen unter 2 Metern, welcher lehrbuchmäßig durchgeführt wurde. Leider war nach diesem Tauchgang der Verlust einer GoPro – Videokamera zu beklagen.
 Nach einer etwas ruhigeren Nacht ankerten wir am Morgen des 11-06-2019 in der Nähe des Wracks der „Bryansk“ – einem sowjetischen Militär-Transportschiffs, welches im Jahre 1941 von einem deutschen Luftangriff heimgesucht wurde und in Folge dessen unterging. Bei uns mittlerweile bekannten Sichtbedingungen und mit leichten Strömungsverhältnissen führten wir den Tauchgang durch – um im Anschluss an diesen auf Grund einer bevorstehenden Unwetterwarnung wieder in den Hafen von Odessa zurückzukehren um die Nacht dort geschützter als auf offener See zu verbringen.
Am 12-06-2019 liefen wir in den frühen Morgenstunden aus in Richtung Wrack der „Onega“ – einem im Jahr 2016 durch einen Zusammenstoß gesunkenen russischen Fischtrawler an welchem wir zwei Tauchgänge absolvierten. Hier waren es vor allem die noch intakten Aufbauten sowie die „Geisternetze“, welche einer hohen  Aufmerksamkeit bedurften, damit man sich nicht in diesen verfing bzw. sich bei diesen zu gefährden.
Im Anschluss ging es dann zum Wrack der „Sulina“, bei welchem vor Anker gegangen wurde um hier am folgenden Tag das Wrack zu betauchen.
Der neue Tag begann mit relativ ruhiger See und wir nutzten die Gelegenheit um die „Sulina“ – ein rumänisches Königsschiff, welches im 2. WK von den Rumänen zum Militär-Transportschiff umgebaut wurde zu betauchen. Hier hatten wir wie bei allen vorherigen Tauchgängen ein eindrucksvolles Briefing von Flad und Bogdan im Vorfeld, so dass wir mit der groben Kenntnis der Historie des Schiffes und Kenntnis der wichtigen Orientierungspunkten am Wrack selber ins Wasser gingen.
Die schlechte Sicht riss nach einem „Blindflug“ von ca. 15 Metern in die Tiefe etwas auf und ein eindrucksvolles Wrack kam zum Vorschein. Nach einer ersten Umrundung um sich einen Überblick zu verschaffen nahmen wir uns dann die aus dem Briefing hervorgegangenen Besonderheiten wie z.B. das kupferne Wappen der Königsfamilie und Teile der Aufbauten vor.
Im darauf folgenden zweiten Tauchgang wurden dann erneut Teile der Aufbauten, Lagerräume und der Maschinenraum etwas genauer inspiziert sowie in Bild und Video festgehalten.
Die darauf folgende Nacht war wieder von etwas rauerem Seegang geprägt, was am darauffolgenden Tag auch deutlich an der Sicherungsleine unseres Schiffes sichtbar wurde, welche am Wrack der Sulina befestigt war – hier waren zwei Windungen des Sicherungsseiles  auf Grund des starken Seegangs zerrissen.
Der letzte Tauchtag hielt für uns etwas ganz besonderes bereit – das Wrack eines deutschen Flugzeuges „JU 52“, welche in der Fahrrinne vor Odessa liegt. Nach einem sehr langen Briefing am Abend des Vortages über die JU 52 und den Ablauf der Entdeckung dieser konnten wir am 13-06-2019 einen wunderbaren Tauchgang an diesem Flugzeugwrack durchführen, welcher leider mit 42 Minuten nur viel zu kurz war. Die Dauer des Tauchgangs war jedoch der Tiefe geschuldet in welcher das Flugzeugwrack lag – wir mussten den Tauchgang dementsprechend kurz halten, da wir einen Tag vor Rückflug in die Heimat nicht noch einen dekompressionspflichtigen Tauchgang durchführen wollten.
Am Nachmittag des selbigen Tages liefen wir dann wieder in den Hafen von Odessa ein um uns am letzten Tag noch Odessa - erst 1794 gegründet, mit seiner spannenden Geschichte und Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Sehr eindrucksvolle Stunden, welche uns sehr schnell bewusst machten, dass wir uns außerhalb der Europäischen Union befinden. Der teilweise über die Maßen hinausgehende Prunk, die deutlich sichtbare Grenze zwischen Arm und Reich sowie die exzessive Lebensart derer, die es sich leisten können sprechen hier eine deutliche Sprache, regten uns zum Nachdenken an und führt en uns vor Augen, in welch einer letztendlich sicheren Wohlstandgesellschaft wir leben.
Bevor es am darauffolgenden Tag wieder mit dem Flugzeug über Kiev nach Wien zurück in europäische Gefilde ging, wurden wir durch den ukrainischen Zoll nahezu auf „Herz und Nieren“ geprüft und durchleuchtet – aber trotz langwieriger Kontrollen und mehrfacher Durchsicht einiger Gepäckstücke gestattete man uns allesamt dann doch noch die Ausreise.


Ein herzlicher Dank geht an Alois Männer und sein Planungsteam für den reibungslosen Verlauf dieser Reise – wie auch an das Team und die Crew der „Auguste Piccard“ und natürlich an Olga – die Kombüsenfee an Bord, welche uns tagtäglich mit teilweise sehr interessanten Gerichten überraschte und immer einen Nachschlag bereit hielt.

Eine abenteuerliche Reise ging somit zu Ende – aber die Nächste ist bereits in Planung!